BKB Dogwear
Im B+K Dogwear Shop findest Du liebevoll hergestellte Dinge für Hund und Halterin

Sie möchten uns eine
Spende zukommen lassen?
Nutzen Sie diesen Spendenbutton!


Danke für Ihre Spende!
Auch jede noch so
kleine Spende hilft uns
den Hunden in Not
helfen zu können!


Danke an alle Spender!




banner

Susi - Chronik

Die ersten Wochen - 1. Teil

Am Sonntag, den 24.Juni 2012 kamen wir nach rund 500 km fahrt mit Susi zuhause an. Sie hatte die Fahrt überwiegend verschlafen und so ging es nach dem Auspacken gleich eine Runde durchs Dorf. Anschließend wurde die Wohnung erkundet, alles neu und spannend, soviel ich weiß, kannte Susi das Leben im Haus noch nicht. Die Bedeutung des Sofas hat sie allerdings gleich erkannt. Danach Essen und nach einer weiteren Runde durchs Dorf - schon im Dunkeln -  fielen wir dann alle hundemüde ins Bett.

Das erste und einzige(!) Problem war, dass sie einfach nicht draußen machen wollte. Sich stundenlang mit ihr an der Leine draußen herumzutreiben, bis das Unvermeidliche endlich eintrat war keine verlockende Option. Ich hatte Montag frei und rief eine Bekannte an, die einen eingezäunten Garten hat. Das Wetter war schön und nach der üppigen Mahlzeit haben wir den Nachmittag dort im Garten verbracht. Damit war dann der Bann gebrochen; nachdem sie gemerkt hat, dass es auch draußen "geht", war Stubenreinheit kein Problem mehr, wir mussten diese Prozedur kein einziges Mal wiederholen.

Susis Schlafplatz ist ein überdachtes Körbchen am Kopfende meiner Bettseite. Die ersten Nächte war sie etwas aufgekratzt und unruhig; ich ließ die Hand in ihr Körbchen hängen und "gefühlt" manche halbe Nacht hindurch hat sie mir die Hand geleckt. So etwas verbindet! Innerhalb weniger Tage waren wir ganz dicke und sie ist mir auf Schritt und Tritt gefolgt. Nach zwei Wochen konnte ich sie von der Leine lassen. Noch nie habe ich einen Hund früher frei laufen lassen können.

Für Susi war das ein Quantensprung. Sie hat einen ungeheuren Bewegungsdrang und den konnte sie von da an frei ausleben. Begegnungen mit anderen Hunden waren endlich stressfrei, weil sie nach Lust und Laune mit ihnen herumtollen konnte.

Von da an machte sie riesige Fortschritte. Im Gelände orientierte sie sich anfangs sehr an Filou (es ist schon ein gewaltiger Vorteil, einen souveränen und erfahrenen Hund zu haben, der sie führen kann), wenn ihr etwas komisch oder unheimlich vorkommt, dann orientiert sie sich an mir. Da wir uns viel durchs Gelände schlagen, hat sie auf diese Weise - einfach durch abgucken - Kommandos wie "hinauf!" / "hinunter!", "rechts!" und "links!" gelernt.

Sie ist ebenso gesellig wie verträglich, sie kommt von sich aus mit wirklich jedem Hund friedlich aus, bis heute hat sie sich noch nie mit einem anderen Hund gebissen. Hunde, die sie ihrerseits nicht mögen (warum auch immer) ignoriert sie einfach. Mit Filou als Rüden ist das nicht ganz so unproblematisch, er hat im Moment zwei Erzfeinde im Dorf, bei denen man ihn an die Leine nehmen muss, aber nur ihn. Wenn es zu so einer Begegnung kommt und die zwei anderen giften sich an, dann beschränkt sie sich darauf den Kontrahenten aus sicherer Entfernung zu beschimpfen, auf Prügel ist sie nicht aus.

Wild wird von uns aus grundsätzlich ignoriert und so ist das auch für Susi kein Thema. Steht mal ein Reh auf dem Weg, so muss man kein Wort darüber verlieren. Inzwischen gibt es kaum noch Situationen, in denen sie unsicher ist und jetzt ist sie dem erfahrenen Filou ebenbürtig, in manchen Situationen sogar überlegen.



 
 

2. Teil 

Susi hat sich inzwischen eingelebt. Das meiste ist Routine geworden. Auf den Spaziergängen gibt es noch immer viel Neues zu sehen, ab und zu treffen wir auch noch einen neuen Hund und nachts schläft sie jetzt tief und fest. Morgens, wenn wir arbeiten gibt es auch kein Gejammer, das wird wie selbstverständlich genommen. Susi ist das Alleinsein gewohnt und das soll auch so bleiben. Und allein ist sie ja nicht, unser "Großer", Filou, ist ja auch noch da. Ich bin nur den halben Tag weg; wenn ich mittags nach Hause kommen, dann heißt das Spaß und Gassi gehen.

Nach etwa vier Wochen dieser Routine trat eine gewisse Veränderung ein. Ein erstes Anzeichen war, dass ds Sofa in meiner Abwesenheit offenbar zum Trampolinspringen missbraucht wurde. Das unterband ich dadurch, dass ich die Körbchen auf die Sitzfläche stellte. Dieses Arrangement wurde klaglos angenommen; morgens, bevor ich weg ging legten sich beide lustiger weise immer zusammen in eines hinein, um auszuschlafen. Doch zum Ausschlafen war ihnen die Zeit wohl zu lang. 

Jeder neue Hund kostet ein Paar Hausschuhe + X. In kluger Voraussicht hatte ich mir ein Paar Hausschuhe aufgehoben, das gewissermaßen nicht mehr über den TÜV ging, das wurde zwar nicht geschreddert, aber verschlept und irgendwo in den drei Stockwerken unseres Hauses deponiert. Doch dabei blieb es nicht.

Die Szenerie wurde nach und nach immer bizarrer, wenn ich mittags nach Hause kam und meine Hausschuhe suchte. Das erste, was ich hinter der geöffneten Haustür erblickte war Filou, der ziemlich doof aus der Wäsche guckte; ein Gesichtsausdruck aus dem sich so etwas wie ein "Ich war´s nicht!" herauslesen ließ. Teppiche waren an die Wand gefetzt, Stühle verschoben, manche Zimmerpflanze umgekippt. Irgendwo dazwischen - in bester Laune - Susi. Auch ein Sofakissen war beschädigt; wenn ich abends mit Susi raufte und rangelte hatte ich selbst schon gesehen, dass man sowas - versehendlich natürlich - in der Hitze des Gefechts mal zwischen die Zähne kriegen kann.

Es ist ein sträflicher Fehler zu glauben man könne Hunde mit Angst erziehen und mit Zorn sollte man es schon gar nicht. Warum auch? Ich habe ja meine Susi, die inzwischen auch auf den Beinamen "Mausi" hörte, lieb. Dennoch, ich muss gestehen, stand ich eines Mittags schwankend in der Tür des Giebelzimmers und kämpfte, mich schwer atmend am Türrahmen haltend, einige Zornesaufwallungen nieder, während ich auf das dreimal durchgefressene Telefonkabel blickte. "Sie kann nichts dafür, sie kann nichts dafür, sie kann..." betete ich mir vor. Konnte sie auch nicht.

Junge Hunde sind ein wenig wie Kinder; ein, zwei Stunden, in denen sich nichts tut, dehnen sich für sie zu einer Ewigkeit. Susi litt nicht unter meiner Abwesenheit, ihr wurde schlichtweg die Zeit zu lang. Auch der Trocknungsgrad des Sabbers an den Schäden bestätigte mir, dass der Zirkus erst etwa eine Stunde vor meiner Heimkehr stattgefunden haben musste. Ich hatte nicht bedacht, dass ein so junger Hund in aller Regel mit so langen Wartezeiten eben einfach überfordert ist und ich hatte es wohl etwas zu weit getrieben. Mein Fehler!

Eine Veränderung stand an, die ich bei einem derart gewachsenen Selbstvertrauen ihrerseits schon längst hätte durchziehen sollen. Glücklicherweise hatte ich einen toleranten Arbeitgeber, der mir erlaubte, die Hunde zur Arbeit mitzunehmen. Das hatte ich auch früher schon mit Filou und Susis Vorgänger Michel schon getan.

Am nächsten Tag packte ich zwei Körbchen, Spielzeug, einen Napf, einen Wasserkanister, Trockenfutter und einige knüppelharte, aus Büffelhaut gedrehte "Zigarillos" ein, für die ich später den überaus passenden Namen "Notnagel" erfand. So ausgerüstet ging es dann los.

Ich arbeitete damals in einem Büro mit einem großen angeschlossenen Lager, das ein Labyrinth endloser Regale und Kistenstapel barg, also auch drinnen ein großzügiger und abwechslungsreicher Auslauf für die Hunde. Den ersten Tag zog ich für Susi auf wie ein tolles Event. Sie war damals noch sehr menschenscheu, aber gefestigt und zuverlässig genug um hier in dieser Beziehung was zu lernen. Etwas übertrieben enthusiastisch begrüßte ich meine Kolleginnen im Büro, Susi ließ sich davon anstecken und nahm auch, wenn etwas zaghaft, den ersten Kontakt auf. Als mein Chef kam, wurde er erst mal verbellt. Speziell großen Männern gegenüber war Susi besonders voreingenommen; mit ihm zog ich das gleiche Begrüßungstheater auf und innerhalb des gleichen Tages noch hatte sie begriffen, dass "der auch da sein darf".

Die Zeit mit mir auf der Arbeit war für Susi sozusagen therapeutisch - sie hat ihr viel genutzt. Sie gewöhnte sich ebenso schnell ein wie bei uns zuhause und morgens freute sie sich schon, wenn wir zur Arbeit aufbrachen. Es war eine willkommene Abwechslung. In den ersten paar Tagen wurde sie ab und zu quengelig, dann gab ich ihr mit viel Gedöns - "Auuuuu wie feiiiin!" - einen "Notnagel", damit hatte sie dann einige Zeit zu tun und danach war ihre Unpässlichkeit vergessen.

Das Kommen und Gehen von Leuten, das Poltern von Kisten, Rumpeln und Scheppern von Karren oder auch mal einer umgefallenen Stehleiter wurde innerhalb kürzester Zeit eine vertraute und ganz normale Geräuschkulisse. Der Bedarf "Notnägeln" nahm schnell ab und Normalität stellte sich ein.

Susi hat in ihrer Entwicklung unendlich viel von dieser Zeit profitiert.

Am 31. August schloss das Lager, von da an hatten wir "frei"!